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Das Brauer-Handwerk in Teltow

Wie im 1. Teil über das Bierbrauen zu lesen war, hat das Brauhand­werk eine lange Tradition.

Teltow wird seit Anfang des 19. Jahrhunderts auch als Ackerbür­gerstadt betitelt. Aber nicht die Ackerbürger, sondern ihre Vorfahren, die sogenannten Hüfner, sind für die damalige Brautätigkeit in der Stadt verantwortlich. Hüfner oder Hüfener leitet sich von dem Begriff „Hufe“, einem Flächenmaß ab. Eine Hufe ist das Stück Land, welches durch die Arbeitskraft einer Familie mit dem Pfluge bearbei­tet werden kann. Teltow ist seit seiner Ersterwähnung mit einer Fläche von 68 Hufen nicht größer als ein Durchschnittsdorf im Umland.                                                                             

Erste Hinweise auf eine Brautätigkeit finden sich im frühen Mittelalter bei der Kalandbruderschaft. Der Kaland sind wohlhabende und wohl­tätige Bürger, die sich regelmäßig treffen und gute Werke verrichten. So sollen sie für Festlichkeiten gegen kleines Mietgeld Gegenstände verliehen haben, unter anderem Braupfannen.                                    Anfang des 16. Jahrhunderts geht aus Ratsunterlagen hervor, dass der Braueigner, Hüfner und Stadtfischer Kikebusch das Richteramt ausübte. Ob sich auch zu dieser Zeit in Teltow wie in anderen Städten eine Brauergilde gründete, ist bisher nicht belegt. Aber vorstellbar ist, dass es wie 1572 in der Stadt Brandenburg eingeführt, ein sogenanntes „Reihenbrauen“ gab. Beginnend mit dem Bürgermeister legte man eine bestimmte Reihenfolge fest, an welchen Tagen die einzelnen Braustellen brauen durften. Auch auf den Bierpreis konnte besser Einfluss genommen werden. Ein Bierrufer verkündete die jeweilige Ratsentscheidung, wann wo frisches Bier gebraut und ausgeschenkt wird.

„Das für das 16. Jahrhundert nur allzu bezeichnende – fast unmäßige Fressen und Saufen – trat allmählich sehr in den Vordergrund.“ (1)                                                                  Die Bierqualität in Teltow blieb dabei offensichtlich auf der Strecke. Die Stadt wurde von großen Krähenschwärmen heimgesucht, die sich die Bäume als Schlafplätze aussuchten. Daraufhin nannte der Volks­mund bald das Teltower Bier abwertend „Krähendreck“. Dies wie­derum wurde dem Großen Kurfürsten (1620 – 1688) zugetragen und der inspizierte die Brauhäuser. Dabei stellte sich heraus, dass kaum auf die Reinheit des Bieres geachtet wurde. Statt die natürliche Bit­ternis mit Hopfen zu erlangen, versuchte man den mühsamen Brau­vorgang durch Zusatz von Schweinegalle und Scharlachkraut zu verkürzen. Speiübel konnte es demjenigen werden, der dieses „Bier“ trank. Darüber erzürnte sich der Kurfürst so sehr, dass er gleich 6 Bierpfuscher auf die Festung Spandau bei Wasser und Brot einsperren ließ.

Um 1700 teilte sich in Teltow die Bürgerschaft in die Stände Groß­bürger = Hüfner, Mittelbürger = Gärtner, Handwerker und Büdner (Tagelöhner) auf. Ein Hüfner besaß mindestens 2 Hufe Acker. Sein Haus konnte mit der Braugerechtigkeit ausgestattet sein. Maßgeblich für das Brauen war, dass das dafür benötigte Getreide auf dessen Land angebaut wurde.

19 Hüfner mit Brauhaus soll es in Teltow zu dieser Zeit gegeben haben. „Infolge des sogenannten Krugverlages - elf Dörfer der Umgebung waren verpflichtet ihre Schankkrüge aus Teltow zu versorgen - war dies ein einträgliches Geschäft“ (2), auch durch ein 1705 erlassenes „Verboth des Sächsischen Bieres im Teltoischen Kreyß und Beerwaldischen District“. Es beschweren sich die Steuer-Einnehmer und Brauer, dass ...“Biere aus Sachsen, weil darauf keine Onera geschlagen, und die also wohlfeiler eingekauffet werden könne, in große Menge einführen...“(3) Diesen Missbrauch wollte man nicht länger hinnehmen und stellte ihn mit 10 Thaler pro Tonne Bier unter Strafe. 

Laut Teltower Häuserbuch befanden sich in der Ritterstraße gleich mehrere Hüfner mit Braugerechtigkeit. Namentliche Nachweise sind zum Beispiel unter der Ritterstr. 13 seit 1713 Lindemann, Tobias jun. Hüfner und Braueigner, im Hohen Steinweg 4 seit 1769 Lindemann, Ludwig, Hüfener und Brauer. Der Name Lindemann erscheint in der Teltower Brauereigeschichte immer wieder.

Im Jahre 1716 gab es laut Brau-Tabelle der Stadt Teltow 14 Brauer, die zusammen 1902 Tonnen Bier gebraut haben. Auch hier ist der Name Lindemann, Tobias sen. und Lindemann, Tobias jun. aufgelistet. Unter Spalte 3 der Brau-Tabelle stehen die Namen der Brauer, die seit dem Unglück, dem Stadt-Brande von 1711, verarmten.

Wie sich der Biergeschmack im Laufe des nächsten Jahrhunderts nach dem „Krähendreck-Vorfall“ veränderte, ist nicht bekannt. Im Ver­zeichnis der Märkischen Biere sucht man Teltower Bier vergebens. „Hier ist ein Verzeichnis derjenigen Biere, welche vor anderen son­derlich gelobet zu werden verdienen, und die auch zum Theil ver­führet werden. Die meisten davon haben, theils wegen der besondern Güte, theils von Säufern, gewisse Namen erhalten.“

„Märkische Biere: Das Bernauische aus dem Städtchen Bernau, 3 Meilen von Berlin, ist schwarzbraun, stark, bitter und gesund, und behält im Sommer vor vielen andern den Vorzug.

Das Brandeburgische, welches in der Stadt Brandenburg gebrauet wird, macht träge und schläfrig, und hat daher den Nahmen Alter Claus bekommen.“

„Das Kyritzer, in der Priegnitz, ist, seiner Stärke wegen, Mord und Todtschlag genannt worden. Ein anderes in Kyritz heißt Friede und Einigkeit.

Das Nauensche Bier, in der Mittelmark – Zitzenille ist dick und berauschend, daher die Verse entstanden:

                        wer Zitzenille trinken will,

                      der muß drey Tage liegen still.“(4)

Um 1800 verschwand langsam die Bezeichnung Hüfner und geht in den Begriff Ackerbürger über. „Da Teltow eine Landstadt ist, so ernähren sich die Bewohner mehr von Ackerbau, Brauerei und Branntweinbrennerei, als von eigentlichen städtischen Gewerben.“ „Die Brauerei und Branntweinbrennerei ist unstreitig der erste städtische Nahrungszweig. Ungefähr 25 Häuser sind mit der Brau­gerechtigkeit versehen, aber nur 7 machen davon Gebrauch. Diese verbraueten 1800: 46 Wispel 16 Scheffel Malz und verschweelten 20 Wispel Branntweinschroot.“ „Es werden jährlich etwa 1000 Tonnen Bier und 10000 Quart Branntwein fabriziert, wovon ungefähr die Hälfte nach dem platten Lande deditirt[1] wird.“ (5) Zum Vergleich 1716 waren es noch 1902 Tonnen Bier.

Entgegen anderen Städten wirtschafteten in Teltow weiterhin einzelne Braustätten. Es gibt keinen Hinweis auf ein gemeinschaftliches Brau­haus. Zum Beispiel würde ein Straßenname wie „Brauergasse oder Brauerstraße“ Rückschlüsse zulassen. Ein wichtiger Grund für die Ratsherren viele Braustätten auf ein Brauhaus zu minimieren, war unter anderem eine Verringerung der Brandgefahr. Warum dies in Teltow nicht geschah, wissen wir nicht. Laut Häuserbuch der Stadt Teltow geschah folgendes: Am 29. August 1801 vormittags erlebte Teltow gleich im ersten Jahr des neuen Jahrhunderts ein trauriges Ereignis. Im Hintergebäude eines Brauers am Hoher Steinweg 3/5 entstand ein Feuer. 40 Gebäude wurden ein Raub der Flammen. Anfänglich ist der Name Lindemann mehrmals erwähnt.

Ein Lindemann´sches Brauhaus ist ursächlich für den letzten großen Stadtbrand 1801. Das erste Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts brachte neben dem Wiederaufbau der Stadt auch weitere Veränderungen für die Braueigner. Durch die Stein-Hardenbergischen Reformen änderten sich viele Gesetze bzw. wurden aufgehoben. So auch der mittel­alterliche Bierzwang bzw. Krugverlag. Den umliegenden Dörfern konnte nicht mehr das Teltower Bier aufgezwungen werden. Der Niedergang des Brauereiwesens in Teltow war nicht aufzuhalten. Obwohl sich Schankwirtschaften wie der „Weiße Engel“ von 1750 bis 1860 auf dem ehemaligen Kruggut Lichterfelder Allee 14 und den als Krug bezeichneten „Weißer Schwan“ von 1790 bis 1950 auf dem ehemaligen Büdnergut Lichterfelder Allee 2/Ruhlsdorfer Platz etablierten, hatten sie nichts mit dem Brauereiwesen an sich zu tun. Nur aus einem typischen Ackerbürgergut mit Braugerechtigkeit Am Marktplatz 3 war von 1860 bis 2004 der Gasthof „Schwarzer Adler“ mit Hotel hervorgegangen.

Verfasser: Carola Viehmann

Quellen: - „Der Teltow“ 3. Teil Geschichte der Ortschaften des Kreises Teltow, W. Spatz Berlin 1912, Verlag R. Rohde, Berlin W,

- www.brandenburg-altstadt.de

- Bürgerrolle der Stadt Teltow bei Berlin 1500 – 1888 von P. Bahl, Degener Verlag

- Häuserbuch der Stadt Teltow, F.-J. Seider 2008, Stiftung Stoye, Marburg,

- Brandenburgisches Landes-Hauptarchiv Rep.19 Potsdam 3533 Brau-Tabelle Teltow

Zitate: (1): „Der Teltow“  siehe oben,

(2): Teltowgraphie des J. Chr. Jeckel, Böhlau Verlag,S. 22

(3): Vierthen Theils des Corpus Constitutionum Marchicarum, IV. Abteilung von Brau-Sachen, S. 139-140 enthalten im Mentem Alit et Excolit K.K. Hofbibliothek Österr. Nationalbibliothek 78. B.8

(3): Oekonomisch = technol. Enzyklopädie, o. Allg. System der Staats, Stadt, Haus- und Landwirthschaft, und der Kunst-Geschichte, in alphabetischer Ordnung von D. Johann Georg Krünitz , 5. Theil von Bier bis Blume, Berlin 1784 by J. Pauli, Buchhändler, S. 12, 13, 27

(4): Friedrich W. A. Bratring: Historisch-topographische Beschreibung der Mediat-Stadt Teltow, in Denkwürdigkeiten und Tagesgeschichte der Preußischen Staaten, Bd. 2, Berlin 1801 - Local = Beschaffenheit des Ortes S. 1021

 [1]    Deditieren = eine Schuld bezahlen bzw. tilgen

Vorschau

  • 10. September - 10.00 Uhr Altstadtführung
  • 27. September - 15.00 Uhr Mitgliederversammlung

 

 

 

 

Rückschau

  • 28. August - Tag der "Offenen Höfe" Teltow
  • 31. Mai - 15.00 Uhr Mitgliederversammlung im Bürgerhaus
  • 22. Mai - 13.00 Uhr Internationaler Museumstag - Zusätzliche Öffnung des Archivgebäudes mit Dauerausstellung "Historische Waschtechnik" und Präsentation von "Historischer Büro- und Rechentechnik" in der Ritterstr. 14
  • 1. Mai -12.00 Uhr Wiederöffnung des Museums
  • 26. April - 15.00 Uhr Mitgliederversammlung im Bürgerhaus
  • 29. März - 15.00 Uhr Mitgliederversammlung im Bürgerhaus
  • 12. März - 14.00 Uhr Osterbasteln im Archiv
  • 4. März - 19.30 Uhr Krimi-Lesung  "Brandenburgische Geheimnisse" mit Carla Maria Heinze             in der Biomalzfabrik Haus 8 "Alte Quellmühle" Iserstr. 8 - 11             Eintritt: 6,00€ an der Abendkasse    Veranstaltung im Rahmen der Märkischen Literaturtage 2016 in Kooperation mit der Verlagsbuchhandlung Buchkontor Teltow