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1. Mai 2016 um 12.00 Uhr - Wiedereröffnung des Heimatmuseums

Ganz aktuell zum Kulturjahr 2016 - "Das Handwerk gestern bis heute" stellen wir das frisch restaurierte Museumsdach und das dazu gehörige Handwerk Dachdecker vor.

Das Dach

Das eingerüstete Heimatmuseum

Der Begriff „Dach“ bedeutet eigentlich „Bedeckung oder auch Decke“.  Ursprünglich bestand die menschliche Behausung nur aus einem Dach, welches auf dem Boden stand – die Bewohner vor Witterungseinflüssen schützend bedeckte. Erst als sich diese Unterkunft in ein von Mauern umschlossenes Bauwerk verwandelte, wurde das Dach der obere Abschluss des Hauses. Historisch gesehen ist demnach das Dach älter als das Haus und das Dachdecker-Handwerk das älteste Handwerk überhaupt.

An unserem Heimatmuseum, dem ältesten Haus der Stadt Teltow, haben gerade verschiedene Gewerke das Dach restauratorisch instandgesetzt. Darum soll die Dachkonstruktion mit dieser für unsere Region kaum noch vorzufindenden Dacheindeckung ausführlicher erklärt werden.

Bild 1
Bild 2

Zum besseren Verständnis zunächst allgemeine Erläuterungen:

Die Wahl der Dachform hängt von dem Zweck, der Lage und dem Baustil des Gebäudes ab. Für einfachere Wohngebäude gebrauchte man am häufigsten Satteldächer, Walmdächer oder Pultdächer.  Bei einem Satteldach (Bild 1) schneiden sich in einer horizontalen Geraden (Firstlinie) zwei ebene Flächen. Bei einem Walmdach (Bild 2) kommen zwei weitere an der Firstlinie angeordnete Dachflächen, die Abwalmungen oder Walme hinzu. Diese Walme gehen so tief hinunter, wie die Sattelflächen.

Bild 3

Eine abgewandelte Form des Walmdaches ist das Krüppelwalmdach (Bild 3).

Hier sind die Enden des Firstes nur teilweise abgewalmt. Die Walme sind kürzer und oft finden sich Fenster darunter.

Bild 4

Pultdächer sehen aus, wie es der Name bereits sagt, wie ein Pult – es git nur eine geneigte Fläche. Sie kommen oft an Seitengebäuden vor, die an ein Nachbargebäude anlehnen. So auch bei den leider abgerissenen Nebengebäuden auf dem Museumsgelände.

Nun zu unserem Museumsdach (Bild 5).

Wer sich das Dach genauer anschaut, kann drei der beschriebenen Dachvarianten erkennen. Das Gebäude besitzt frontal über dem Eingang auf der Dachgaube ein kleines Satteldach (Bild 1).

Bild 5
Bild 6
Bild 7

Das Gebäude besitzt frontal über dem Eingang auf der Dachgaube ein kleines Satteldach (Bild 1). Das Hauptdach hat auf der Seite Hoher Steinweg Ecke Alte Potsdamer Straße die Form eines Walmdaches Bild (6) und ein Krüppelwalmdach   (Bild 7) zum Nachbargebäude Hoher Steinweg.                              Im Heimatmuseum war ursprünglich an der Krüppelwalmdachseite auch ein oberes Fenster vorhanden (Bild 3 und 7), welches jemand irgendwann zumauern ließ. Vielleicht kann es eines Tages wieder geöffnet werden.

Markant für unser Museumsdach sind nicht nur die unterschiedlichen Dachkonstruktionen, sondern auch zwei im Alter verschiedene  Dacheindeckungen.

Die Dachdeckung ist die auf dem Dachstuhl ruhende zusammenhängende schützende Decke des Daches. Anfänglich boten Bretter, Schindeln oder Stroh diesen Schutz. Durch die Gründung von Städten und einer ständigen wirtschaftlichen Weiteentwicklung gewannen Ziegeleien immer mehr an Bedeutung. Später, auch den vielen Stadtbränden geschuldet, ordneten die Stadtväter  beim Bau eines Hauses eine harte Dachdeckung mit Ziegeln an. In vielen ländlichen Gebieten entstanden Ziegeleien. Bis ins 19. Jahrhundert veränderte sich durch reine Handarbeit gefertigt und in Öfen gebrannt, die Ziegelherstellung kaum.

Bild 8
Bild 9

Bild 8 zeigt den Namensstempel einer ehemaligen Ziegelei aus Schlagenthin auf einem Museumsdachziegel. Schlagenthin ist ein Ort im Jerichower Land nordwestlich gelegen von Brandenburg. Offensichtlich hat der frühere Hausbesitzer von dort Ziegelsteine bezogen. Durch die Industrialisierung konnten auf Grund der ständig steigenden Nachfrage zwar schneller Dachziegel produziert werden, aber an ihrer Art veränderten sie sich kaum. Nach wie vor wird der Dachziegel aus Ton hergestellt. Nicht zuletzt seiner Langlebigkeit und dem Traditionsbewußtsein des Dachdeckerhandwerks geschuldet.  Zu den ältesten Dachziegelformen zählt der flache Biberschwanzziegel mit einer abgerundeten Seite. Bild 9 Museumsdachziegel.

Bild 10
Bild 11
Bild 12

Auf unserem Museumsdach sind zwei verschiedene über mehrere Jahrhunderte erhalten gebliebene ziegelrote Dacheindeckungen vorzufinden. Zum einen für unsere Region mittlerweile eine sehr seltene aus dem Jahre 1711, nach dem letzten Teltower Stadtbrand, aufgebrachte Biberschwanz-Spließdeckung im Bereich des Walmdaches. Zum anderen eine ca. 90 Jahre später um 1800 aufgebrachte Biberschwanz-Doppeldeckung. 

Das Spließdach (Bild 10 Fig. 1 und 2) ist eine einfache Ziegeldachdeckung, bei der sich die Biberschwanzziegel nur in einem geringen Teil ihrer Länge überdecken. Die kurze Überdeckung wird meist mit ca. 5 cm breiten imprägnierten Holzspänen, den Spließen gedichtet.

Das Spließdach, das für uns heute in unserer Region eine Rarität darstellt, wurde früher als „Arme Leute Dach“ betitelt. „Arme Leute“, weil hier nur einfach und damit weniger  Dachziegel bei der Dacheindeckung aufgelegt wurden.

     (11) Drei Rundschnittbiberziegel mit zwei ca. 30,5 cm langen, ca. 5 breiten und 3 mm starken Spließhölzern

Anders bei der Biberschwanz-Doppeldeckung auf dem jüngeren Teil des musealen Daches. Doppeldach (Bild 12 Fig. 3 und 4) bedeutet, dass sich die Ziegel bis zu zwei Drittel  ihrer Länge überdecken, wobei die Dichtung wegfällt.

Verständlicherweise bringt eine Doppeldeckung mit Dachziegel mehr Gewicht auf das Dachgerüst als eine Einfachdeckung. Maßgeblich um eine bestimmte Art der Dachdeckung zu fertigen, ist deren Unterkonstruktion, die so genannte Lattung.   Das heißt, dass die auf den Dachstuhl horizontal aufgenagelten Latten, an der die Dachziegel später eingehängt werden, einen bestimmten Abstand zueinander benötigen. Im allgemeinem errechnet sich die Lattenweite wie folgt: Die Länge des Dachziegels minus die Höhenüberdeckung des darüber liegenden Ziegels. Weil bei der Doppeldeckung die Überdeckung des oberen Ziegels länger ist, muss sich der Lattenabstand bzw. die Ziegelaufhängung verringern. Gut zu erkennen auf Bild 11 -  Spließdachdeckung zeigt einen breiteren Lattenabstand, als die Dachschräge von Bild 12– Doppeldeckung

Bild 13
Bild 14

Die farbigen Abbildungen zeigen die Dachziegeldeckungen im Dachboden des Museums.

(Bild 13 – Spließdeckung)  ( Bild 14– Doppeldeckung)

Handwerk und Handwerksgegenstand des Monats (anklicken)

 

Wir möchten zum 1. Mai das Museum mit seiner frisch sanierten einzigartigen Dachdeckung wieder eröffnen und den Besuchern zugänglich machen.

Sie sind herzlich dazu eingeladen.  Carola Viehmann

Textquellen und Bilder:

 1 – 4: Meyers Konversation-Lexikon 1890, 4. Band, S. 398

 10 + 12 : Brockhaus Konversations-Lexikon 1908, 4. Band, Seite 617/618

Bilder 6 – 9 /11 + 13 – 14 : Dachinnenseite des Heimatmuseums Teltow

            5 – Museumslogo Heimatmuseum Teltow

Lehrbuch Dachdeckerarbeiten Kühnlein/Wünsche 1987

Vorschau

  • 28. August - Tag der "Offenen Höfe" Teltow
  • 30. August - 15.00 Uhr Mitgliederversammlung im Bürgerhaus
  • 10. September - 10.00 Uhr Altstadtführung

 

 

 

 

Rückschau

  • 31. Mai - 15.00 Uhr Mitgliederversammlung im Bürgerhaus
  • 22. Mai - 13.00 Uhr Internationaler Museumstag - Zusätzliche Öffnung des Archivgebäudes mit Dauerausstellung "Historische Waschtechnik" und Präsentation von "Historischer Büro- und Rechentechnik" in der Ritterstr. 14
  • 1. Mai -12.00 Uhr Wiederöffnung des Museums
  • 26. April - 15.00 Uhr Mitgliederversammlung im Bürgerhaus
  • 29. März - 15.00 Uhr Mitgliederversammlung im Bürgerhaus
  • 12. März - 14.00 Uhr Osterbasteln im Archiv
  • 4. März - 19.30 Uhr Krimi-Lesung  "Brandenburgische Geheimnisse" mit Carla Maria Heinze             in der Biomalzfabrik Haus 8 "Alte Quellmühle" Iserstr. 8 - 11             Eintritt: 6,00€ an der Abendkasse    Veranstaltung im Rahmen der Märkischen Literaturtage 2016 in Kooperation mit der Verlagsbuchhandlung Buchkontor Teltow